Zum Inhalt springen

City of Rocks, Idaho, USA: Campen mit Truthahngeiern

DSCN1162a

 

Tief in die amerikanische Seele eintauchen und vielleicht auch in die eigene

Wenn sich abends warmes Licht wie ein pastellenes Seidentuch über die Granitspitzen der City of Rocks legt, die Nadelbäume mich mit ihrem süsslichen Aroma einhüllen, Truthahngeier sich in den Wind legen und durch den Canyon segeln, setze ich mich jeweils auf einen der Felsen, schaue über die City und denke, jeder Mensch müsste einmal einen Abend, eine Nacht, einen Morgen hier erleben dürfen. Es gibt viele wunderbare Plätze auf diesem Planeten, aber die City of Rocks ist für mich einer der faszinierensten.

Ein Paradies aus Stein am Ende der Welt

Der City of Rocks National Reserve ist eine Hochwüste im Süden Idahos an der Grenze zu Utah. Er befindet sich fast auf der Route zwischen Yellowstone National Park und den National Parks in Utah. Es ist nur ein kleiner, etwa dreistündiger Umweg, aber einer der sich auszahlt. Hier kann man fernab vom Touristenstrom in das authentische Amerika eintauchen und tief in die Seele dieses Landes reinschauen.

Es ist ganz einfach. Man verlässt die Interstate 86 in Burley, wo sich der letzte Supermarkt befindet und fährt in einer guten Stunde nach Almo. Almo, ein 150 Seelendörfchen ist das Ende, dahinter kommt nichts mehr ausser Prärie. Von da geht es nur noch zehn Kilometer auf Schotter rauf und rein ins Paradies.

Strasse (2)WP_20140827_001

In die City of Rocks gehe ich nicht in erster Linie seit sieben Jahren jeden Sommer hin wegen des Kletterns, aber auch. Man muss absolut kein Kletterer sein, um sich in diesen Ort zu verlieben und viele Besucher sind es auch nicht. Bist du Kletterer, lies unbedingt auch meinen Beitrag Klettern an Schrei-Käse, Elefanten-Öhrchen und Mammut-Rüsseln.

wagon3

Spuren der Vergangenheit

Hier lebten einmal Bannock-Shoshone-Indianer, Sammler und Jäger. Ihren friedliebenden Spirit kann man noch heute spüren. Leider lag die City of Rocks mitten auf dem California Trail, wo Immigranten in Massen (im Jahr 1852 waren es 50‘000 Menschen) durchströmten und das Leben der Indianer erheblich störten und zwar in dem Masse, dass diese sich aus der Gegend zurückzogen. Es gibt noch einige Zeitzeugen dieser Durchreisenden. Dies ist dann auch eine der Tätigkeiten, neben dem Klettern, Wandern, Vögel beobachten, Biken, Jagen, Sterne gucken, Reiten, Malen, Fotografieren, mit der man sich in der City beschäftigen kann.

WP_20140828_030

Vögel so viel wie Sterne

Bevor ich das erste Mal in die City of Rocks kam, habe ich mich wenig für Vögel interessiert, aber hier kann man das nicht ignorieren, denn es gibt über 150 Vogelarten und es ist möglich an einem Tag 100 davon zu sehen. Auf der Webseite der City of Rocks kann man gar Checklisten runterladen und dort seine Sights ankreuzen. Am allgegenwärtigsten sind die Turkey Vulture (Truthahngeier) mit ihrer bis zu zwei Meter Spannweite. Es ist ganz leicht diese aus unmittelbarer Nähe zu beobachten. Jeden Abend kreisten sie in grossen Gruppen nur ein paar Meter über unserem Camp-Platz.

Später am Abend, wenn sich die Geier zur nächtlichen Ruhe zurückziehen, die Grillen nach und nach in ihren nächtlichen Chor einstimmen, erscheinen mit dem schwindenden Licht über der City immer mehr Sterne bis die Milchstrasse in einer Intensität glitzert, wie man es im dichtbesiedelten Europa kaum noch zu Gesicht bekommt. Die City of Rocks ist eine dieser dunkelsten Orte in der USA, wo viele Sterngucker hin pilgern. Ich empfehle dir deshalb deine Reise so zu planen, dass du bei Neumond hier bist. Es lohnt sich, es ist atemberaubend.

Tiptop im Tipi

Wenn du das Shoshone-Bannock-Indianerleben etwas nachvollziehen möchtest und das kann ich wärmstens empfehlen, dann nimm ein Zelt mit. Hast du keins dabei, kauf dir ein billiges bei Walmart oder im Family-Dollar-Store in Burley. Ich habe schon an vielen anderen schönen Orten mein Zelt aufgeschlagen, aber nichts war so überwältigend wie die City. Diese Kombination von rustikaler Western-Atmosphäre, Indianer-Spirit und Naturschönheit ist unschlagbar.

Rainbow

Die 64 Zeltplätze in der City of Rocks sind weit um die Granittürme herum verstreut. Die meisten Plätze haben so eine Art Sandkasten, um das Zelt drauf aufzubauen, weil der Boden steinhart ist. Jeder Platz hat auch einen Picknicktisch und eine Feuerstelle. Sauberes Wasser holt man am besten ganz oben bei der Emery Pass Picnic Aerea. Dort kann man frisches Wasser aus dem Grund pumpen.

Wenn du am Wochenende hingehst, solltest du einen Zeltplatz online vorreservieren, aber ich empfehle, geh nicht am Wochenende oder um einen amerikanischen Feiertag herum. Es ist viel schöner und ruhiger unter der Woche.

Howdy

Howdy ist wie das Grüezi in der Schweiz. Das muss man schon drauf haben, wenn man nach Almo runter geht, denn es kann vorkommen, dass man Einheimischen begegnet. Die meisten von ihnen sind direkte Nachfahren dieser frühen Siedler. Ein Bauer, den wir mal im Saloon getroffen haben, und der weit draussen lebt, meinte ernsthaft, es hätte zu viele Leute in Almo. Wenn du ein USA-Reise-Neuling bist, werden dir die Menschen und die Gegend zu Beginn etwas exotisch vorkommen.

Ich mag Almo. Es ist nicht für Touristen aufgepeppt, aber trotzdem nicht weltfremd und absolut touristenfreundlich. Almo  ist eines dieser authentischen Westernörtchen, und obwohl es so abgelegen und klein ist, ist es reich an Amerikanischer Geschichte.

DSCN1256

Handys und Hörnchen

SMS schreiben oder seine E-Mails runterladen, alles andere funktionierte bei uns nicht, muss man in Almo erledigen. Oben in der City of Rocks ist man ausser Reichweite der Almo-Antenne. Ich finde das herrlich! Keine News, keine Ahnung was in der fernen Welt ab geht. Man kann mental richtig downloaden, auskehren und sich ein paar Tage nur mit den lokalen Gegebenheiten auseinandersetzten, wie beispielsweise sich vor Gewittern in Sicherheit bringen oder amerikanische Hörnchen verscheuchen, die einem ständig das Essen klauen wollen. Vorsicht vor denen, manche haben die Pest, also lass sie niemals an dein Essen!

DSCN1115

Wildfeuer, Kojoten und Idahoianer

Wenn man doch das Bedürfnis nach etwas Information hat, geht man einfach auf das Büro des Park-Rangers in Almo. Für die Tage in der City of Rocks ist das dein Internet. Dort informieren sie dich über alles, was du wissen musst, um zu überleben: Wie das Wetter wird oder wie weit die diversen Wildfeuer entfernt sind, deren Rauch wieder mal über der Gegend hängt.

Aber die Ranger wissen auch vieles über die Tiere. Sie können dir beispielsweise auch bestätigen, dass das Heulen in der Nacht, das man dort selten hört, tatsächlich von einem Kojoten herrühren müsse, weil es in der Gegend keine Wölfe gäbe. Wow, soviel Wildnis-Erfahrung habe ich also schon. Das war zwar leicht, weil ich kannte den Gesang schon vom Yoshua Tree National Park. Dort gibt’s viele Kojoten. Tagsüber beobachten sie dich aus sicherer Distanz und nachts hörst du sie jaulen und um dein Zelt schleichen. Ach ja, falls dein Road-Trip in die Gegend von L.A. führt, behalte das Zelt, das du dir nun extra für die City of Rocks gekauft hast. In Yoshua Tree musst du nämlich unbedingt auch zelten. Es ist wunderbar beim Gesang der Kojoten sich in den Schlaf zu wiegen.

Die beiden Parks sind in ihrer Schönheit vergleichbar. Der entscheidende Unterschied ist aber, die City of Rocks ist nicht international touristisch, man trifft hier fast nur Amerikaner, besonders die Nicht-Kletterer sind meist Leute, die aus Idaho selber kommen. Die City ist also ein idealer Ort, um mit Menschen aus der Umgebung in Kontakt zu kommen. Für viele der Menschen, die wir getroffen haben, ist Europa unvorstellbar weit weg. So ist es ja auch umgekehrt. Wer weiss in Europa schon, dass es einen amerikanischen Staat namens Idaho gibt, wo das liegt und was es dort gibt. Nicht viele oder? Zu Unrecht, finde ich. Süd-Idaho (den Norden kenne ich nicht) mag vielleicht etwas bäuerlich anmuten und die Städte sind in der Tat nicht sehr stilvoll.

Der Süden Idahos hat aber noch einige andere Naturschönheiten zu bieten, wie beispielsweise der atemberaubende Snake River oder die Shoshone Falls, wo das Wasser höher in die Tiefe stürzt, als das der Niagarafälle oder der faszinierende Crater of the Moon, eine Landschaft aus Lava, die an den Mond erinnert, und auf welcher für die Mondmission Tests gemacht wurden.

WP_20140828_028

Shopping oder Jagen?

Um das Problem Hunger zu stillen, kann man wie die Bannock-Shoshone-Indianer sammeln und jagen gehen. Hasen gibt es reichlich in der City. Ich gehe lieber einkaufen. In Almo gibt es zwei Läden. Bei beiden findet man fast alles, was man so braucht, aber leider kaum frisches Gemüse und Früchte. Bei Tracy’s General Store, übrigens einer der ältesten Läden von Idaho, gibt es ausserdem Benzin, eine integrierte Poststelle und zwei Duschen. Der Rock City hat eine riesige Auswahl an Bier, also unbedingt dort kaufen. Die nächsten Supermärkte (Albertson und Smith’s) sind wie eingangs erwähnt in Burley.

Tracy1

Rock City

Wellnessbereich mit Präriesicht

Für die verspannten Muskeln gibt es am Dorfeingang eine Familie mit drei verschieden temperierten Pools im Garten, durch die permanent Wasser aus einer natürlichen heissen Quelle durchlaufen (keine Chemie). Die Öffnungszeiten sind etwas eingeschränkt und ändern je nach Saison, man informiere sich am besten vor Ort.

Denk daran, du befindest dich im tiefsten konservativen Idaho, also bring Badekleider mit und ziehe dich nur in den dafür zur Verfügung gestellten Kabinen um.

Wenn wir schon beim Thema Erholung sind, die City of Rocks ist für mich ein wundervoller Ort, um meine Seele so richtig baumeln zu lassen. Die ganzen narzistischen und neurotischen Stadtleben-Störungen, die mich zu hause begleiten, verflüchtigen sich in der City immer sofort auf magische Weise. Und ich denke jedes Mal an den weisen Satz meines Mannes beim ersten Mal dort: „Man müsste für immer hier bleiben können.“ Aber weil das nicht geht, werden wir wohl wieder hingehen – Jahr – für Jahr – für Jahr.

Nadia

City Of Rocks National Reserve (U.S. National Park Service)

City of Rocks, Idaho, USA: Klettern an Schrei-Käse, Elefanten-Öhrchen und Mammut-Rüsseln

Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, dann würde es mich riesig freuen, wenn du ihn mit deinen Freunden teilst.

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsert.

[Copyright © Nadia Sbilordo]

»

  1. Kompliment Nadia für diese tollen Berichte und die wunderbaren Fotos dazu. Eintauchen, schwelgen in der Vergangenheit und träumen für die Zukunft. Reisen ist ja soooo grossartig. Danke und weiter so.

    Gefällt mir

  2. /Users/albertfurrer/Desktop/220px-Beadedmoccasins.jpg
    Hallo Nadia
    ich habe mich natürlich wie immer schlau gemacht. Es gibt viele Paradiese am ende der Welt. Dieses in der Nähe der Twin Falls scheint eines zu sein. Pass aber auf wenn du das nächste Mal auf dem Felsen stehst und die Arme ausbreitest dass du dann nicht abhebst!
    Mein Paradies – Tobago,eine kleine Insel der kleinen Antillen – ist vor lauter Hotels leider erloschen.
    Ich war vor sehr langer Zeit ( da gab es praktisch noch keine Hotels ) mal da. Ein Freund von mir ist dahin ausgewandert hat ein Haus gebaut und ich konnte bei ihm wohnen. Der Liebe wegen wäre ich fast da geblieben.
    Freundlichen Gruss
    Albert

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Die letzten Beiträge

Instagram

#rockclimbing and trying to #getridof the #jetlag at little #eiger #littleeiger #clearcreekcanyon in #golden near #denver and #boulder #colorado #usa
happy to be back as every #summer for the last 8 years #lododenver #denver #colorado my favorite corner here is the beautiful #larimersquare
#sheistheboss #swiss #alpen #street #cow #cowgirl #cowlady
#summit of #spitzkoppe #namibia #africa #mounteering #climbing #rockclimbing #tradclimbing #adventuretravel #africantraveller #iloveafrica #iloveclimbing #ilovetravelling #ilovemylife
#deadvlei #saltpan #soussvlei #namibdesert #namibia #africa #ilovetravelling #travelphotography
#sandstorm over the #deadvlei #namibia #instatravel #instatraveling #desert #africantraveller
#dead #trees on try ground #saltpan in the #namibdesert #namibia #travelphotography #traveltuesday #traveltheworld #travelingram
on the summit of the #namibdesert #dune of #bigdaddy in #namibia #africa #climbing during a #storm
#dune #hikking up to #bigdaddy #in #namibia #during a #sand #storm #adventure #africatravel
ascent to the #dune called #bigdaddy during a #sandstorm #hefty #winds in the #namibdesert in #namibia #africa #adventuretravel #ilovetravelling #travelphotography
#sundowner #windhoek #namibia #afrika
#alpenglühen #alpenglow #mountpilatus #pilatus #lucerne #switzerland
What a perfect #summerday 😊😎
#beautiful #roses in a #sweet #village
just before the #thunderstorm
#mohn #mohnblume #poppy #poppyfield #provence #southernfrance #france #südfrankreich #frankreich
%d Bloggern gefällt das: