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City of Rocks, Idaho, USA: Klettern an Schrei-Käse, Elefanten-Öhrchen und Mammut-Rüsseln

Sicht ueber die Felsenlandschaft der City of Rocks Idaho - Foto von © Nadia Sbilordo

Alles was Granit-Klettern sein kann

Die City of Rocks mit ihren bis zu hundert Meter hohen Zinnen und Klötzen bietet für jeden etwas zum Klettern. Sie hat die volle Palette parat, was Granit-Klettern sein kann. Es gibt über 600 Routen – kurze, lange, mehrseillängen, sport, trad- und mixed in den Graden 5.6 bis 5.14. Man kann nicht nur patinaleisten-, riss- und reibungsklettern, sondern auch brachialer Kampfsport an Huecos betreiben.

Aber die City of Rocks ist kein leicht zu konsumierendes Klettergebiet. Man muss sich schon etwas mit ihr auseinandersetzen. Die lohnenden Routen sind weit gestreut. Wenn du möglichst viele der schönen Routen klettern willst, brauchst du einen Plan. Im Sommer muss man für einige Routen früh morgens aufstehen, weil es schnell zu heiss wird. Damit du aber schon beim ersten Mal voll auf deine Kosten kommst, habe ich diesen Beitrag geschrieben.

City of Rocks Idaho Window Rocks

Eldorado im Nirgendwo der Prärie

Wie ich bereits in meinem Artikel City of Rocks, Campen mit Truthahngeiern erwähnt habe, den du unbedingt auch lesen solltest, liegt die City of Rocks im Süden Idahos an der Grenze zu Utah. Man erreicht sie am besten via dem Örtchen Almo. Am Ende dieses Westerndorfes endet die asphaltierte Strasse abrupt. Geradeaus geht es ins Nirgendwo der Prärie, wenn man aber rechts abbiegt, führt eine Schotterstrasse in nur zehn Kilometern in ein faszinierendes Klettereldorado.

Die City of Rocks ist ein Park der Skulpturen, deren bizarre Formen aus starker Erosion entstanden sind. Wo man hinsieht, ragen Steinformationen aus dem sandigen Boden, die enorm die Fantasie beflügeln, hier ein Hase, dort eine Indianerbüste, ein Hexengesicht, ein Pilz, Darth Vader und vieles mehr kann man entdecken. So angeregt waren wohl auch die Erschliesser und Routenbauer, wie du unten bei den Namen der Must-Dos sehen kannst.

City of Rock Idaho Gewitterwolken - Foto von © Nadia Sbilordo

Die City of Rocks ist eine Hochwüste. Sie liegt 1800 – 2100 Meter über Meer. Im Sommer klettert das Thermometer generell über 35°C, dafür sind die Temperaturen nachts schön angenehm. Nachmittags oder abends muss man auch mal ein Gewitter aussitzen. Ich war zwar schon sieben Mal in der City, aber immer im Juli oder August. Alle meine Angaben über Sonnenstand, Wetter, Temperatur gelten daher nur für den Hochsommer.

 

Planungshilfe

Damit du mehr zum Klettern kommst und nicht so viel überlegen musst, habe ich dir eine Liste zusammengestellt über die 17 schönsten Routen in der City of Rocks und eine in Castle Rocks. Natürlich gibt es noch viel mehr lohnende Routen. Die unten aufgeführten, sind nur meine persönlichen Favoriten. Ich habe die Must-Dos-Sportrouten zu Grüppchen zusammengetragen, die am gleichen Fels oder zumindest im gleichen Gebiet liegen. Die Reihenfolge der Sportrouten folgen den Kriterien, zu welchem Zeitpunkt die Wände in die Sonne kommen und wie sie auf dem Weg liegen, damit du nicht zu viel Zeit verlierst mit hin- und hergehen.

 City of Rock Idaho Wanderweg - Foto von © Nadia Sbilordo

Hinweis für ambitionierte Nümmerchen-Sammler

Die City ist nicht der richtige Ort, um seinen Sportgrad zu pushen, dafür gibt es bessere Orte. Lies dazu meinen Beitrag Ten Sleep, Wyoming, USA: Sportklettern in den Big Horn Mountains oder Bier trinken und Bibelsprüche zeitgenössisch interpretieren.

In der City of Rocks sind die Absicherungen fordernd und die Bewertungen traditionell. Glücklich werden dort jene, die reine Freude am Klettern haben. Die City ist ein wunderschöner Flecken Erde. Es ist ein Platz für Naturgourmets. Sie bedient alle Sinne. Es ist ein Ort zum Geniessen. Also schraube deine Ansprüche etwas runter, mach dir keinen Hehl um die Grade und geniesse es einfach dort zu sein, auch wenn du gelegentlich unter deinem gewohnten Niveau klettern musst.

City of Rocks Idaho Parkinglot Rock - Foto von © Nadia Sbilordo

Parkinglot Rock

MUST-DO-SPORT-ROUTEN

Wie in vielen amerikanischen Sportklettergebieten schont ein Clip-Stick deine Nerven auch in der City of Rocks. Für einige Sportkletterrouten benötigst du ein 80-Meter-Seil.

TAG 1

Tribal Boundaries, Flaming Rock, 5.10b

Wunderbare Leistenkletterei an Patinas, die griffig startet, gegen oben immer feiner wird bis sie auf den letzten Metern übergeht in hundsgemeine Dellen-Reibungskletterei.

Too Much Fun, Bumblie Wall, 5.8, ca. 42m

Die Schlüsselstelle ist vom zweiten zum dritten Hacken, dann geht es ein Stück steil an Huecos hoch. Die obere Hälfte ist bedeutend einfacher. Die Route ist eher gemütlich, nichts aufregendes, dafür lang und oben auf dem Gipfel wird man mit einem schönen Ausblick über die Gegend belohnt.

New York is not the City, Bumblie Wall, 5.10a

Die N.Y. beginnt mit einem Bouldereinstieg, gefolgt von ein paar Kraxelmetern. Die zweite Hälfte bietet dafür wunderschöne Kletterei an grossen Griffen.

Bumblie takes a Tumblie, Bumblie Wall, 5.11a  (Sonne  ab ca. 13:00 h)

Wenn man diesen Bouldereinstieg vermeiden möchte, steigt man links mit Hilfe einer Tanne etwas hoch und kraxelt ein paar Meter bis es steil wird. Die Route folgt dann herrlich griffigen Huecos, die allerdings gegen oben immer kleiner werden. Die Schlüsselstelle kommt zum Schluss.

*

TAG 2 Bath Rock (Sonne ab ca. 13:00 h)

Coffee and Cornflakes, Bath Rock, 5.10a

Dies ist keine Aufwärmroute, auch wenn es leicht beginnt. Der erste Hacken ist in der Wandmitte, danach geht’s aber ab. Wärme dich beispielsweise am Rollercoaster (5.9) auf. Etwa einen Meter vor dem ersten Hacken kannst du ein gelber oder roter Camalot setzen. Der obere Teil ist steil und für den Grad sehr anhaltend. Bis zum Stand hat es noch zwei Hacken.

Colossus, Bath Rock, 5.10c

Eine meiner Lieblingsrouten in der City of Rocks. Nach dem kleinen Einstiegsdach geht es an herrlichen Patinas hoch bis zur Schlüsselstelle, die nicht ganz einfach zu entschlüsseln, dafür unvergesslich ist.

City of Rocks Idaho, Bath Rock, Route Loch Ness Monster - Foto von © Nadia Sbilordo

Loch Ness Monster – Bath Rock

Loch Ness Monster, Bath Rock, 5.11c

Ein echtes Monster! Bis zum ersten Hacken ist es zwar leicht, aber dieser ist erst in der Wandmitte. Unten im Riss kann man aber zur Beruhigung einen mittleren Camalot setzen. Nach dem ersten Hacken führt die Route über einzigartige Mammut-Rüssel-Boulderei hoch. Hat man das geschafft, geht’s bis zum Umlenker gleich ausdauernd weiter.

Rebar Route 4th class, Bath Rock

Zum Schluss kannst du noch diese Kraxeltour zum Gipfel machen und oben im regengefüllten Basin ein Bad nehmen, wie es der Legende nach die Indianer gemacht haben.

*

TAG 3 (Früh aufstehen lohnt sich, denn heute geht’s richtig zur Sache!)

Scream Cheese, The Anteater, 5.9

Ich erzähle keinen Käse, die Route ist zum Schreien schön und ein Adrenalinschub ist garantiert. Zuerst geht es an grossen Griffen durch die steile Wand. Dann wird die Route zwar flacher, aber geht über in griffarme Wandkletterei mit einem schönen Hackenabstand. Das ist die Stelle, wo sie jeweils schreien – die Kletterer – aus reiner Freude oder purer Verzweiflung.

Redtail, Rabbit Rock, 5.11a, 45m  (Sonne ab ca. 10:00 h)

Die Redtail gilt als eine der schönsten Routen in der City. Das erste Drittel ist eine sehr anspruchsvolle Wandkletterei, aber dafür wird es nachher einfacher (5.10b/c). An Elefanten-Öhrchen steigt man lange himmelwärts – zum Klettern ein Hochgenuss! Zum Schluss ist es für ein paar Züge nochmals etwas schwieriger.

Sudden Pleasure, Rabbit Rock, 5.11a/b   (Sonne ab ca. 10:30 h)

Nach einem einfachen Riss (mittlerer Camalot), muss man sich an einer harten Reibungsstelle bewähren, bevor die Route in eine fantastische Kantenkletterei mündet.

City of Rocks Idaho, Route She's the Bosch am Sektor Window Rock - Foto von © Nadia Sbilordo

She’s the Bosch – Window Rock

She’s the Bosch, Window Rock, 5.11b/c, 38m   (Sonne ab ca. 12:30 h)

Die Bosch ist die Königin der City of Rocks und wohl jedermanns und –fraus Lieblingsroute. An technisch anspruchsvoller Patina-Leistenkletterei bewältigt man das erste Drittel, dann geht’s steil an grösseren Griffen bis zur Schlüsselstelle und danach mit anhaltender Kletterei wunderschön bis zum Schluss.

City of Rocks Idaho - Kletterer in der Route She's the Bosch am Sektor Window Rock - Foto von © Nadia Sbilordo

She’s the Bosch – Window Rock

The Drilling Fields, The Drilling Fields, 5.11a

Die Route bietet fantastisch steile brachiale Kletterei an grossen Griffen. Bei Mountain Project wird von Tim Wolfe zu recht folgendes empfohlen: “A half inch cam after the second bolt (grey camalot) makes the bottom safer and a 1.5 inch cam at the top (green or red camalot) makes the top safer.”

City of Rocks Idaho - Route The Drilling Fields - Foto von © Nadia Sbilordo

The Drilling Fields

TRAD MUST DOS

Die Risse variieren in der Breite, so dass ein Rack Nuts und Cams meist ausreichen sollte.

Skyline, Morning Glory Spire, 5.8

Die Skyline ist ein beliebter Megaklassiker, an welchem ein traumhafter Riss bis auf den Gipfel führt.

City of Rocks Idaho - Morning Glory Spire - Foto von © Nadia Sbilordo

Morning Glory Spire

Rye Crisp, Elephant Rock, 5.8

Die Rye Crisp ist ein aufregendes Schuppen-Abenteuer. Aufregend, weil es so schön und für den Grad ganz schön anspruchsvoll ist. Die Route ist nachmittags im Schatten.

City of Rocks Idaho - Elephant Rock - Foto von © Nadia Sbilordo

Elephant Rock

Bloody Fingers, Super Hits, 5.10a

Der Titel sagt schon alles, Finger rein und rauf. Bloody Fingers ist ein Megaklassiker mit einem etwas heiklen Einstieg.

Private Idaho, Bath Rock, 5.9

Wunderschöner Verschneidungsriss, deren schwierigere Sequenz im oberen Teil man links umgehen kann.

 

Castle Rocks State Park

Castle Rocks State Park Idaho - Parkeingang - Foto von © Nadia Sbilordo

Castle Rocks State Park

Noch etwas heisser, aber genau so schön zum Klettern wie die City, ist Castle Rocks unten auf der Ebene, fünf Kilometer westlich von Almo. Zum Klettern ist Castle Rocks sicher besser geeignet während den kälteren Jahreszeiten. Wer dort klettern will, muss beim Parkeingang eine Tagesgebühr bezahlen.

*

CASTLE ROCKS MUST DO

Mantle Dynamics, Comp Rock – East Face, 5.10a

Hier kannst du dein volles Mantel-Repertoire auspacken und gleich mehrmals einsetzen. Die Route folgt einer Kante und hat sehr viele Hacken.

Castle Rock State Park Idaho, Route Mantel Dynamics - Foto von © Nadia Sbilordo

Mantle Dynamics

Für Detailinformationen konsultiere bitte die Kletterführer. Diese kannst du im Buchhandel, in Almo im Ranger Office, in Tracy’s General Store oder beim Rock City erwerben:

  • Dave Bingham, City of Rocks Idaho, A Climber’s Guide
  • Dave Bingham, Castle Rocks Idaho, A Climber’s Guide
  • Dave Bingham, Idaho Underground, A Climber’s Guide to the best crags and boulders of Southern Idaho

Lies unbedingt auch mein Beitrag: City of Rocks, Idaho: City of Rocks, Campen mit Truthahngeiern. Dort findest du alle relevanten Tipps, Infos, Impressionen zum Campieren, Einkaufen, Wellnessen, Almo, Idahoianer, Indianer und Tiere in der City of Rocks. Schau dir auch die City Of Rocks National Reserve (U.S. National Park Service) Webseite an.

Nadia

Wenn du denkst, dass die City of Rocks etwas zum Klettern für deine Freunde ist, dann sei social und teile den Beitrag doch.

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsert.

[Copyright © Nadia Sbilordo]



 

1 Antwort »

  1. Hallo Nadia
    schöne Photos, intr. Beitrag für Kletterkünstler. Ich wäre lieber in den Schneebergen zum Skifahren aber leider geht das nicht mehr. Die Hitze dieses Jahres hat es mir auch nicht so angetan. Darum der Spruch für den Sommer 2015: “ Flipflop statt Laptop „. Aber mit Flipflops kann man ja nicht klettern.
    Lieben Gruss um die Ecke
    Albert

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