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Wyoming, USA: Die Nebenstrassen von Cody

MainRoadCodyKultur in der Prärie: Reitkunst, Bio-Gourmet, Boutique-Hotel, Literatur, Western-Theater, Photographie und Frauenpower

 

Wo und was ist Cody?

Cody ist ein etwa zehntausend Seelen-Ort im US-amerikanischen Bundesstaat Wyoming. Lies auch meinen Beitrag Wildes, kultiviertes Wyoming: Wenn der Wind den Geist über die Prärie trägt bis hin an die Grenzen der Toleranz – Ein Ort für echte Kerle und Freiheitsjunkies.

Das Westernörtchen liegt auf der beliebten USA-Roadtrip-Route: Black Hills & RushmoreDevils Tower Yellowstone.

Strassenkarte1

Buffalo Bill

Cody wurde 1896 von dem schillernden und weltberühmten Bison-Jäger und Showman William Frederick Cody alias Buffalo Bill gegründet, der mit seiner Westernshow inklusive echten Indianern und Büffeln mehrmals in Europa tourte. Wie ich bereits in meinem Beitrag LoDo Denver – AUSFLIEGEN, nächtigen, tafeln, feiern, schmökern in einer Down Town, die lebt – und wie! Teil 5/5 erwähnt habe, liegt Buffalo Bill in Golden bei Denver begraben. Wer mehr über Buffalo Bill erfahren möchte, kann in Golden das Buffalo Bill Museum and Grave und/oder in Cody das Buffalo Bill Center of the West besuchen.

Prärie.jpg

Das Erlesene ist nicht offensichtlich

Cody ist aber auch bekannt wegen seinem permanenten Rodeo. Und das ist der Grund warum ich hergefahren bin.

Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit durch trockene Einöde gefahren sind und dann schliesslich in Cody in den Ort einfuhren, dachte ich: Oh je, das ist wieder einer dieser typisch ätzend-stillosen Hinterwäldler-Käffer, wo es nur diese deprimierenden Motels- und Family-Restaurants gibt.  Jedenfalls schaute die Mainstreet auf den ersten Blick schon mal danach aus. Ich sah mich schon lustlos in einem mit Vollfettkäse überbackenen und völlig überfüllten Teller herumstochern.

Man hat nicht die Erwartung hier etwas Besonderes zu entdecken und das Besondere ist auch nicht offensichtlich.

Main Street

Chamberlin Inn

Desto grösser war die Freude, als wir in die 12th, einer Nebenstrasse bei unserer neuen Bleibe vorfuhren. Meine Stimmung erhellte sich sofort beim Anblick des Chamberlin Inn.

Chamberlin

Die 12th war früher die Hauptstrasse von Cody, also landeten wir inmitten der kurzen nur 120jährigen, aber spannenden Geschichte dieses Ortes.

Chamberli Inn Garten

1903 erwarb die aktive Agnes Chamberlin, die von Kansas herzog, um in der Zeitungs-Redaktion von Buffalo Bill zu arbeiten, dieses Grundstück. Es lag gleich gegenüber von ihrem Büro und war ein von Wüstenbeifuss überwuchertes unscheinbares Grundstück. Agnes wollte den Ort Cody weiterbringen und trug massgeblich an seiner Entwicklung bei. Ihr Bestreben war es Menschen nach Cody zu locken und Leute zusammen zu bringen. Sie eröffnete also auf dem Grundstück eine Pension, wo später immer mehr Hausteile dazukamen. Sie gründete den Cody Frauenclub und organisierte viele Events in ihrem Haus.

Chamberlin Inn Zimmer

Das Chamberlin Inn ist heute ein kleines Boutique-Hotel, das in Familienbesitz ist und auch von dieser geführt wird. Es wurde 2005 von den heutigen Besitzern mit sehr viel Sorgfalt und Herzblut renoviert. Bei der Renovation wurde darauf geachtet möglichst alle Zeitzeugen zu erhalten. Dieser Mix aus top moderner Ausstattung mit historischen Artefakten gibt dem Chamberlin Inn einen ganz besonderen Charme und macht den Aufenthalt zu einem echten Erlebnis.

Das Chamberlin hat auch einen wunderschönen Garten, in dem es sich herrlich verweilen lässt. Wir haben das Garden Cottage bewohnt und so schliefen wir quasi im Garten. Dieser ist so üppig und grün, dass man sich eher irgendwo in England meint, als in der erbarmungslosen Prärie.

Chamberlin Garden

Auch Ernest Hemingway weilte eine Zeit im Chamberlin Inn. Hier stellte er das 1932 veröffentlichte Essay „Tod am Nachmittag“ fertig. Darin behandelt er das Thema Stierkampf, welchen er trotz Faszination zugegebenermassen als grausam und ein Trauerspiel bezeichnete.

Dieser Beitrag ist nicht gesponsert.

Wilde Pferde

Kräftemessen mit Pferd und Stier

Wie bereits erwähnt, war der einzige Grund, weshalb wir nach Cody fuhren, um endlich mal an einem Rodeo teilnehmen zu können. In Cody gibt es vom 1. Juni bis 31. August jeden Abend um 20 Uhr eine Rodeo-Veranstaltung. Der Ticketvorverkauf für das  Cody Nite Rodeo ist gleich gegenüber vom Hotel Chamberlin Inn.

Rodeo Ticketschalter

Es war faszinierend einmal einer solchen Show beizuwohnen. Allerdings überschritt es aber teilweise meine Schmerzgrenze. Ich sehe ein, dass ein Cowboy oder ein Cowgirl ein Pferd braucht und mit einem Lasso fähig sein muss ein abtrünniges Rind einzufangen. Trotzdem haben mir die kleinen süssen Kälber, die mit um die Beine geworfenem Lasso jeden Abend zu Fall gebracht werden, leidgetan.

Cowboys

Aber ich habe nicht begriffen, warum junge Männer auf gewaltigen Bullen und kleine Jungs auf kleinen Jungstieren reiten müssen, da sehe ich den Zusammenhang zur Arbeit in der Viehzucht nicht. Das Bullenreiten ist dann wohl nur als Kraftprobe zwischen Mann und Stier gedacht.

Dafür hatten wir, und ganz besonders mein Mann, grosse Freude an den hübschen Cowgirls, die möglichst schnell einen kurzen Parcours in der Rodeo-Arena bewältigen mussten. Mann-o-Mann, diese Mädels können vielleicht reiten!

Rössli 2

Das Food-Angebot in der Rodeo-Anlage erstreckt sich von Hotdogs bis zu Fritten, daher empfehle ich vor der Show essen zu gehen.

The Local

The Local – Stylisch urbanes Ambiente

Wer keine üppigen und öligen Mahlzeiten mag, dem kann ich in Cody das The Local empfehlen, ein stilvolles Restaurant mit feinen und gesunden Speisen. Nicht nur die Bettwäsche und die kosmetischen Produkte des Chamberlin Inn sind bio und öko, sondern auch die meisten Produkte im Restaurant The Local und seinem angrenzenden Laden. Das fand ich überraschend, soweit draussen in der Pampa hätte ich das nicht erwartet, umso mehr war ich erfreut, aber Wyoming ist eben nicht hinterwäldlerisch. Die Auswahl ist zwar klein, aber das Essen im The Local schmeckte vorzüglich. Die Portionen waren in einer Grösse, die ein europäischer Magen bewältigen kann und die Gänge waren schön appetitlich angerichtet.

Local menu

Übrigens assen im The Local nicht nur Vorbeireisende. Es gab auch sehr elegant herausgeputzte Cowboys und ihre Ladies mit Glitzer-Stiefeln, -Hut und -Gurt, geschmackvollen Hemden, Jeans, hübschen Röcken und Blusen, die dieses Restaurant nutzen, um chic auszugehen. Da reute es mich, dass ich meine Old-Gringo-Glitzer-Cowgirl-Boots nicht mit dabeihatte.

Bioladen

Bobby Model

Mir hat auch die Atmosphäre und die Einrichtung im The Local sehr gefallen. An der Wand hing ein Foto, dass meine Aufmerksamkeit weckte und so fragte ich nach. Es handelte sich dabei um eine Bild des Fotografen, Bergsteigers und Kletterer Bobby Model. Erst dort vor Ort realisierte ich das Bobby Model, der auch für den National Geographic arbeitete, aus Cody stammte. Model starb 2009 im Alter von 36 Jahren an den Folgen eines schweren Unfalls. Für Fotografien von Model, klicke hier.

Local2

Kaffee

Noch in einer anderen Nebenstrasse, in der 1450 Sheradian Avenue, haben wir ausserdem das nette The Beta Coffeehouse entdeckt. Dort gab es neben leckerem Kaffee auch verschiedenes Selbstgemachtes, wie süsse und salzige Backwaren sowie kreative kalte Tees, was an diesem Hitzetag eine Wohltat war. Ich habe keinen Webauftritt gefunden, dafür diese Facebook-Seite.

Beta Coffeehouse

Geh ich zurück?

Der kurze Aufenthalt in Cody, dem ich zu Beginn mit lauter Vorurteilen entgegensah, entpuppte sich zu einem schönen Erlebnis, welches mich kulinarisch, unterbringungs-mässig und kulturell vollends positiv überraschte. Unter diesen Umständen hätte ich mir gut vorstellen können, die Mainstreet mit seinen Touristenläden und Family-Restaurants weiter zu meiden und die Nebenstrassen Codys noch genauer zu erkunden.

Wandmalerei

Klettern

Ein weiterer Grund für mich erneut die Cody-Route zu fahren, sind die nahegelegenen Klettereien im Shoshone Canyon, die noch ausgekundschaftet werden müssen. Leider hatten wir dafür keine Zeit mehr.

 

Alles Liebe Nadia

Rössli

Ich hoffe, ich konnte dich mit diesem Beitrag motivieren, selber loszuziehen, um eigene verborgene Schätze der Prärie zu entdecken. Ich würde mich freuen, wenn du deine Entdeckungen mit mir und den LeserInnen dieses Artikels teilen würdest.

[Copyright © Nadia Sbilordo]

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