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Tasmanien, Australien: Liebesbekenntnis an eine Insel – Erst wollte ich nicht hin, dann nicht mehr weg

Es war Liebe auf den ersten Blick. Von Sydney herkommend flogen wir der tasmanischen Ostküste entlang, eine von weissen Sandstränden gesäumte. Hobart, die Hauptstadt Tasmaniens empfing uns mit einem schönen Sommertag. Damit hatte mich die Insel. Ich konnte nicht aufhören meine Nase an der Fensterscheibe plattzudrücken bis das Flugzeug aufsetzte und fröhlich über die Landepiste hüpfte. In Wirklichkeit war es mein Herz das Sprünge machte.

Mount Wellington

Hobart entpuppte sich als ein entspannter Ort. Mit seinen rund 200’000 Einwohner über eine grosse Fläche verteilt, wirkte sie frei von Dichtestress. Ich fühlte mich in keiner Minute eingeengt oder fremd. Die Architektur ihrer Häuser erinnerte an meine alte Heimat England.

Die unbekannte Schönheit unterhalb von Down Under

Viele wissen weder wo Tasmanien liegt, noch dass diese Insel überhaupt existiert. Und das, obwohl sie ungefähr so gross ist wie Irland. Aber das ist auch nicht erstaunlich, denn Tassie, wie die Australier die Insel liebevoll nennen, liegt weit unten, ungefähr 240 Kilometer südlich des australische Mainlands.

Küste3

Hätte mir meine Freundin nicht vor vielen Jahren aus Tasmanien eine Postkarte geschickt, auf der eine wunderschöne wilde Landschaft abgebildet war, hätte auch ich keine Ahnung gehabt.

White Beach

Wie auf mich zugeschnitten

Recherchen ergaben, dass die Insel, eine ehemalige Sträflingskolonie, sehr dünn besiedelt ist. Es leben auf Tasmanien gerade mal eine halbe Million Menschen. Zum Vergleich mit der Schweiz, die ein Drittel kleiner ist und von der zwei Drittel der Landfläche mit Berge besetzt sind, wohnen über 8 Millionen Leute. Das ist ein Umstand, der mir zunehmend zu schaffen macht, nicht weil ich Menschen nicht mag, sondern weil ich schnell Reizüberflutet bin. Siehe dazu mein Artikel: Bist du auch Hochsensibel? 

Ich liebe Wälder und Meeresküsten und davon hat es in Tasmanien eine Menge. Wenig Menschen, viel Natur, die Insel war also wie für mich geschaffen.

South Sisters

Wald- oder Strandweihnachten?

Trotzdem wusste ich nicht, was mich dort erwarten würde. Umso entzückter war ich, als ich eine derart landschaftliche Vielfallt vorfand. Wie ich es bereits eingangs erwähnt habe, gibt es in Tasmanien eine ganze Menge kilometerlanger weisser Sandstrände – viele davon sind menschleer. Tasmanien kann aber auch mit ein paar beachtlichen Berge aufwarten. Der tasmanische Westen ist mit dichtem undurchdringbaren Buschwerk bewachsen. Aber zum Glück gibt es auch viele ’normale‘ Eukalyptuswälder. In einem solchen erlebte ich meine schönste Waldweihnachten.

Allerdings begann dieser Weihnachtstag ziemlich aufregend. Auf einer schlechten Strasse mit riesigen Steinen und noch grösseren Löchern fuhren wir den Berg hoch und versenkten beinahe unseren Camper. Irgendwann mussten wir uns eingestehen, dass es dort für uns nicht mehr weiter geht. Also entschieden wir uns für den Rückzug. Den Camper wenden war an dieser Stelle aber unmöglich. Also mussten wir alles rückwärts retourfahren. Erst nach einer halbstündigen nervenaufreibenden Fahrt im Schritttempo erreichten wir schliesslich eine Abzweigung, eine Forstwartstrasse, die seitlich in den Wald führte. Dort fuhren wir etwas hinein und fanden unseren wunderschönen total einsamen Waldweihnachtsplatz. Erschöpft und mit den Nerven schier am Ende, konnten wir uns nach einem leckeren tasmanischen Bier schnell beruhigen. Biergechillt und gestärkt verwandelten wir uns sogleich in drei emsige Wald-Gourmetköche.

Insel für Feinschmecker

In Tasmanien ist jeder Tag wie Weihnachten. Die Insel ist ein Paradies für Hobby-Gourmetköche sowie Wein- und Bierliebhaber, wie wir sie sind. In den Supermärkten gab es richtig frisches und knackiges Gemüse von der Insel selbst. Ich habe in meinem Leben noch nie so grosse und so süsse Himbeeren, Erdbeeren und Brombeeren gegessen. Auch viele andere Produkte in den Foodstores waren tasmanisch, das fand ich erstaunlich.

Eine weitere Gaumenfreude bietet der inselumschlingende kalte Ozean. Wenn einem danach ist, fährt man runter zum Fischerhafen und genehmigt sich einen Lunch aus fangfrischem Lobster und Austern. Dies kriegt man übrigens excellent beim Lobster Shack Tasmania in Bicheno.

FischerhafenAustern Lunch

Kein Dine ohne Tassi-Wein

Allabendlich haben wir uns erfreut an immer wieder anderen feinen tasmanischen Weiss- und Rotweinen. Die Auswahl ist wirklich gross. Das Klima und die Böden im Süden und Osten Tasmaniens sind ideal und die Tasmanier haben fast 200 Jahre Erfahrung als Weinmacher. Tasmanien zählt zu den ältesten Weinanbaugebieten des fünften Kontinents. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Reben gepflanzt. Lange gab man dem tasmanischen Wein wenig Beachtung, heute ist die Weinherstellung jedoch ein boomender Wirtschaftszweig.

Die Weinberge, die ich gesehen habe, schienen eher klein. Viele produzieren bescheidene Mengen. Klimatisch ähnelt Tasmanien in etwa dem von Burgund. An den wärmeren Lagen gedeihen vorzügliche Cabernet Sauvignons, Pinot Noirs und gar Syrahs. Tasmanien gehört zu den ‚Cold Climate‘-Weinanbaugebieten, was gut ist, um erfrischende Pinot Gris, Rieslings und Gewürztraminer zu produzieren.

Nicht nur tasmanischen Wein zu trinken, sondern auch zur wunderschönen Wineglass Bay abzusteigen und dort ein Bad zu nehmen, ist dringend zu empfehlen.

Geborgen wie im Beutel einer Wallaby-Mama

Ich empfand es als beruhigend, dass die Tasmanier so viel selber machen und sich quasi selbst versorgen. Wenn die Welt den Bach runter geht, bin ich hier sicher, dachte ich mir. Verhungern wird hier niemand.

Obwohl oder gerade, weil die Insel so fern von allem ist, fühlte ich mich in Tasmanien total aufgehoben. In dieser ‘heilen’ Welt scheinen einem all die Kriege, Konflikte, Hungersnöte, Umweltverschmutzungen, Beschleunigungen und Übervölkerungen sehr weit weg.

Delphine

Wir drei waren uns einig. Tasmanien ist ein Ort, wo man hätte bleiben können – für länger oder vielleicht auch für immer.

Sunset

Wir, der Dreispänner

Wir – wer ist das auf dieser Reise? Wir, das sind mein Mann, unser langjähriger bester Freund und ich. Wir zogen als Dreierseilschaft los. Seilschaft deshalb, weil wir zum Klettern nach Tasmanien gefahren sind – aber nicht nur.

Die Idee überhaupt nach Tasmanien zu reisen, entstand als mir mein Mann ein dickes Buch präsentierte, es war ein Tasmanien-Kletterführer. Daraus konnte man allerdings herauslesen, dass Klettern auf Tasmanien eine abenteuerliche Sache sein würde. Daher war ich skeptisch und wollte nicht mehr so dringend dorthin gehen. Erst als wir unseren Freund mit an Bord nehmen konnten, war ich zuversichtlich. Mit zwei statt nur einem starken Mann und erfahrenen Alpinkletterer an meiner Seite fühlte ich mich wohler.

Über unsere Klettererfahrungen im Busch und an den Klippen Tasmaniens schreibe ich später. Folge Global Travel Art und verpasse diese Artikel nicht. Einen Überblick, an welchen Spots wir geklettert sind, kannst du unten in der Diashow sehen.

Nadia

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[Copyright © Nadia Sbilordo]

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